Ergebnisse
Die Differntialgleichungen für den gekoppelten Wärme-
und Stofftransport wurden aufgestellt und mit Hilfe eines
vollständig expliziten Differenzenverfahrens numerisch
gelöst.
Für die einseitige, konvektive Trocknung einer homogenen
Sandschüttung (Z=0: Oberfläche, Z=1: Boden) ergeben
sich somit die aus der Literatur bekannten Profile der
Feuchtesättigung S in Abhängigkeit der Trocknungszeit
bzw. der mittleren Feuchtesättigung.
Am Anfang der Trocknung war die Schüttung
feuchtegesättigt (S=1). Mit voranschreitender
Trocknungszeit nimmt die mittlere Feuchte ab und es
bilden sich bei den verwendeten grobkörnigen
Schüttungen starke Feuchteprofile aus, welche
überwiegend durch den Schwerkrafteinfluß bestimmt sind.
Mit weiter abnehmender Feuchtesättigung wird die
Feuchteverteilung homogener, da die kapillaren Zugkräfte
zunehmen.
Ab einer Feuchte von ca. 10% ist kein kontinuierlicher
Feuchtetransport zur Oberfläche mehr gewährleistet, da
die Flüssigkeit zunehmend in Form von Feuchteinseln
vorliegt. Deshalb beginnt die Schüttung von der
Oberfläche aus vollständig abzutrocknen (S=0).
Homogene Schüttung
Im Gegensatz zum Trocknungsverhalten homogener
kapillar-poröser Stoffsysteme war bislang über den
Einfluß der Porosität auf die Feuchteverteilungen wenig
bekannt. Zwar zeigte Litzenberger (1968), daß eine nicht
konstante Porosität die Feuchteverteilungen wesentlich
beeinflußt - mit den bisher verwendeten Modellen zur
Simulation des Trocknungsverhaltens konnte das jedoch
nicht nachvollzogen werden.
Erst durch die konsequente Berücksichtigung der
Abhängigkeit der Zustandsfunktionenen (z.B.
Kapillardruckfunktion) von den Strukturparametern der
Feststoffmatrix (z.B. Porosität) konnte auch für
inhomogene Systeme das Trocknungsverhalten erfolgreich
simuliert werden.
Inhomogene Schüttung
Ein zeitraubendes Phänomen bei der meßtechnischen
Realisierung der Feuchtemessung mittels elektrolytischer
Leitfähigkeitsmethode im Feld der Kugelelektroden waren
sprunghafte Änderungen der gemessenen Impedanz während
der Trocknung der Schüttungen. Lange Zeit suchte ich die
Ursachen dafür in elektrochemischen Vorgängen - weit
gefehlt!
Die Umrechnung der zeitabhängigen Impedanz mittels
Kalibrierkurve in die nachfolgend gezeigte lokale
Trocknungskurve zeigt sprunghafte Feuchteänderungen,
sogenannte Jumps.
Lokale Trocknungskurve
Nachdem alle meßtechnischen Fehlermöglichkeiten
ausgeschlossen waren gab es nur noch eine Erklärung: die
sprunghafte Entfeuchtung der Randgebiete der Elektroden
muß tatsächlich stattfinden!
Danach war die Ursache schnell gefunden. Die höhere
Porosität der Randgebiete der Schüttung an den
Kugelelektroden führt dort zu einem sprunghaften
Leersaugen, sobald die dickste, gasgefüllte Pore dieses
Gebiet erreicht.
Lokales Trocknungsverhalten
Auf diese Weise veranschaulichen die Jumps die
Notwendigkeit, sich für jeden Teilprozeß der geeigneten
Betrachtungsebene zuzuwenden:
- Für Volumenbereiche, die groß im Vergleich zu
charakteristischen Struktureinheiten wie
Partikeln und Poren sind, kann die bislang in der
Trocknung gebräuchliche Kontinuumsbetrachtung
angewandt werden.
(makroskopische Betrachtungsweise)
- Für Volumenbereiche in der Größenordnung
charakteristischer Struktureinheiten (z.B. der
Randgebiete) sind Kapillar- und Porenraummodelle
anzuwenden, wie im Bild oben gezeigt. Solche
Modelle gewinnen derzeit in der Trocknung an
Bedeutung.
(mikroskopische Betrachtungsweise)
- Für Volumenbereiche, die wesentlich kleiner als
charakteristische Struktureinheiten sind, z.B.
die Phasengrenzen fest-flüssig-gasförmig, sind
Modelle auf der Grundlage intermolekularer
Wechselwirkungen anzuwenden. Hierzu gibt es in
der Trocknung erste Ansätze auf den Gebieten
Sorption, Benetzung und Diffusion.
(molekulare Betrachtungsweise)
Diese abschließenden Überlegungen zeigen die
Komplexität der Trocknungsprozesse auf - lassen jedoch
zugleich erkennen, daß eine Herleitung auf der Grundlage
reiner Stoff- und Dispersitätsgrößen möglich sein
wird.
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